Es gibt wenig Neuigkeiten. Bislang gab es keine nennenswerten Nebenwirkungen der Chemotherapie. Und wer weiß, vielleicht lässt Y. tatsächlich die meisten Nebenwirkungen und Spätfolgen da, wo sie hingehören: In die Mülltonne.
Zunächst lag er ja mit einem Elternteil allein in einem Zimmer. Diese Zeiten sind leider vorbei. Die Kinderkrebsstation wird gerade aufwendig renoviert, in dieser Zeit musste die Station in einen anderen Teil des Krankenhauses ziehen.
Die Anzahl der verfügbaren Zimmer ist daher begrenzt.
Gestern Abend habe ich Y. und J. im Kh besucht. Die Situation war schon etwas witzig: Ich hatte für J. ein Buch gekauft und überreichte es im KH. Reaktion von Yannick: „Und wo ist mein Geschenk?“.
Ich habe nur kurz auf seinen sehr überfüllten Nachtschrank gewiesen und gefragt, wo er denn weitere Geschenke verstauen möchte. Hilfe, kommt mir ja sehr bekannt vor. Nach dem Tod meines Mannes nahmen meine Kinder irgendwann an, dass jeder Besucher zwangsweise Geschenke für sie mitbringen müsste.
War ganz schön schwierig, sie wieder auf den Pfad der Normalität zurück zu führen. Doch wie sieht der Mittelweg aus? Mit Geschenken überladen ist kontraproduktiv, so meine Überzeugung. Andererseits fühlt man (ich auch) eine gewisse Hilflosigkeit, wenn Personen aus dem nahen Umfeld schwer erkranken. Die Krankheit kann man nicht abnehmen, auch nicht die Trauer oder die Sorgen. Aber man möchte doch ein klitzekleines bisschen dazu beitragen, dass es dem Betreffenden besser geht.
Grundsätzlich, so denke ich, ist gegen eine kleine Freude nichts einzuwenden. Doch wo ist die obere Grenze? Müssen alle Wünsche sofort, umgehend, in der bestmöglichen Qualität erfüllt werden? Gilt der vollkommene Ausnahmezustand? Oder kann man es auch Kranken zumuten, auf das eine oder andere Teil zu warten oder gar zu verzichten?


