Wieder und wieder versuche ich, die vergangenen Wochen, Monate, Jahre für mich in Worte zu fassen. Es gelingt mir nicht. Manchmal denke ich: Ich habe es. Doch schreibe ich es auf, liest sich das Geschriebene so fremd. Kann man Liebe verlieren? Vergessen? Wie konnte das geschehen, was ist da passiert? Ich lese alte Emails – sie kommen mir vor wie Geschichten aus einer anderen Zeit.

Was für ein Sonntag
Juni 14, 2009Einer meiner Töchter wollte heute zu einem Stadtteilfest gehen und sich dort mit alten Freundinnen treffen. Voraussetzung dafür (sie muss gefahren werden) war ein aufgeräumtes Zimmer. Hm, gestern Morgen geschah nichts, ebensowenig nachmittags. Auch der Abend verstrich… Ich sagte ihr dann, dass so aus dem Fest nichts wird…
Heute Morgen dan ein schnelles Husch Pfusch Aufräumen: Da, alles schick, können wir fahren?
Nein, können wir nicht. Nun sitze ich hier und kämpfe mit mir. ICh würde sie so gern dorthin fahren, sie hat sich so sehr auf die Freundinnen gefreut.
Andererseits hat sie eine ausgesprochen laxe Haltung zu Verpflichtungen und Aufgaben. Sie rechnet fest damit, dass sie schon so irgendwie durchkommt.
Nun wandert sie mit tieftraurigen Blick durch das Haus. Ach ist das alles mies, mies, mies. Manchmal ist Mutter sein ein blöder Job.

Auf dem Weg
Juni 8, 2009Mir fällt keine bessere Überschrift ein. Nun ja, so schlecht ist sie wieder auch nicht. Sind wir doch ständig unterwegs. Ea ist die Zeit vor dem Aufbruch, vor der Abreise. Wehmut vermischt sich mit dem Schmerz, lieb Gewonnenes zurück lassen zu müssen. Ich gehe durch den Garten und verabschiede mich von meinen Pflanzen, verabschiede mich von der Vorstellung, den Salat zu ernten, die Sträucher im Herbst zurück schneiden zu können. Verabschiede mich von dem Blick aus dem Fenster über den See, vom Parkplatz vor der Haustür. Tausend kleine lieb gewonnene Dinge, ein Stück zu Hause, ein stück Heimat. Nein, zu Hause nicht ganz. Es sollte ein zu Hause werden. Ein Familie.
Da ist wieder die Trauer, der Schmerz. Eine Instanz in mir möchte alles fest halten, möchte die Augen schließen: Ist ja alles nur ein böser Traum. Möchte die Zeit zurück drehen. Möchte trotz allem hoffen, klammert sich an jeden Strohhalm.
Die andere sagt: “He, Augen auf. Es geht weiter. Es gibt keinen Stillstand. Stell dich dem Neuen. Kappe alle Verbindungen, Bindungen.” Wieder neue Wohnung, wieder Umzug, wieder neues Leben. Wieder auf dem Weg.
Auf dem Weg auf der Suche nach einer neuen Heimat. Meine Kinder mit im Gepäck. Diese Ereknntnis ist schmerzhaft. Ich, wir haben sie da mit hinein gezogen. Sie haben Schule, Umfeld, Freunde verlassen. Widerstrebend und mti Wehmut im Herzen. Haben sich tapfer (wie es Kinder meist sind) geschlagen, habe neue Freunde gefunden, langsam Wurzeln geschlagen. Haben zurück gesteckt und mit gelitten. Haben die Bürde mit getragen. Es ist ungerecht. Das haben sie nicht verdient.
Und doch bleibt mir nichts übrig, als ihnen wiederrum Erwachsenenverhalten abzufordern. Ich erklärte ihnen die Situation: Was war, was ist, was soll werden. Ich habe mit Wut gerechnet und mit Enttäuschung. Die waren wohl vorhanden. Doch dann Verständnis und Mitgefühl: “Mama, dann bist du ja wieder allein!”. Verdammt. Verdammte Sch…

Suche nach einer Überschrift, Suche nach Sinn
Juni 4, 2009Die Tage reihen Sich wie die Perlen einer Kette aneinander. Schmerz wechselt mit tiefer Trauer, Trauer mit Verzweiflung und diese mit Wut. Zum Schluss bleiben nur Hilflosigkeit und eine leise Verwunderung ob der Absurdität des Vorgefallenen.
Wir haben alle gekämpft: meine Kinder, Y., Jürgen und ich. Man kämpft in der Hoffnung, dass alles ein Gutes Ende finden würde. Und doch haben wir alle verloren. Zum Schluss bleibt die Sinnsuche und die Erkenntnis, dass der Sinn nur einen Sinn hat: Sinnlos zu sein.
Vor kurzem war ich bei meiner Schwester und beobachtete die Feuerstelle im Garten. Man hatte am Vorabend dort ein Feuer entzündet, dass im Laufe der Nacht herunter brannte. Der Wind fegte in die vermeintlich erkaltete Asche. Kleine Rauchwolken kräuselten sich. Plötzlich züngelte erste Flammen.
Ich träumte einen kleinen Moment – vielleicht ist da noch etwas unter der Asche? Und schob diesen Gedanken wieder beiseite. Ob und wenn und überhaupt und vielleicht eventuell sind verantwortlich für Gefühlszuständen, mit denen es sich schlecht leben lässt.
Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich hätte es aus sehr vielen Gründen weiter versucht. Ich weiß nicht, ich denke da manchmal in längeren Zeiträumen. Ich bin mir sehr sicher, dass für Y. (der Familie als solches nicht vermisst, weil er so etwas gar nicht kennt) Familie ganz wichtig ist, wäre. Familie: ein Zuhause, ein Ort der Geborgenheit, man gibt und man nimmt. Man eckt an und stiftet Frieden. Ein “Wir”, Rückendeckung. Was ist jetzt? Unsere kleine Patchworkfamilie hat es zerfetzt. Und für Y. wird es weiterhin drei Orte geben, wo ein Bett für ihn steht. Menschen, die ihn gern haben, wo er der Prinz ist, so sich alles um ihn dreht. Sehr viel Aufmerksamkeit, Mittelpunkt … Ja. Aber keine Familie, kein Zuhause.
Und meine Kinder? Wieder Umzug, wieder neue Schule, neue Freunde. Sie haben sich inzwischen an ihre zukünftige Exheimat gewöhnt. Lieben die Freiheit, ihr Fahrrad schnappen zu können und zur Freundin zu fahren. Es tut so rasend weh, ihnen zu erklären, dass wir wieder alles aufgeben. Ich fühle mich so unendlich schuldig. Und dann noch so ein blöder Schulwechsel, da weiß ich noch nicht, wie ich das erklären soll. Die Freie Schule wird ein wenig zu… hm… kostenintensiv.
Es tut weh zu sehen, dass sogar meine Kinder weiterhin VErständnis und Mitgefühl zeigen: “Armer Y.”. Dass sie auch zu J. weiterhin lieb und nett sind. Manchmal möchte ich ihn einfach nur schütteln und anschreien: “Siehst du, was du da tust?” Ich glaube, er sieht es und er weiß es und kann nicht anders oder glaubt, nicht anders zu können.

Aus
Juni 1, 2009Es ist aus. Wir trennen uns. Der Schmerz ist wahnsinnig. Draußen scheint die Sonne, ein wunderschöner Tag. Der erste Junitag. Kindertag.
Ich sitze wieder vor einem Scherbenhaufen. Umsonst. Gestern wurde der Beschluss gefasst. Es hing schon seit Längerem in der Luft. Ich habe gemekrt. wie sich J. mehr und mer zurück zog. Nicht mehr da war. Nicht mehr teil nahm.
Ich fühlte mich einsam und allein. Verzweifelt versuchte ich, versuchten wir beide, zu retten. Statt Nähe und Wäreme – ein gegenseitiges Zerfleischen. Kälte. Eisiges Schweigen. Irgendwann die Ansage von J.: “Ich bin leer.”
Nichts mehr, was er geben konnte und wollte. Am Ende eines jeden Tages und am Ende unserer Beziehung stand ein großes Schweigen zwischen uns. Ich wollte Sprechen, reden, frage: “Was apssiert da mit uns? Halt es auf?” Allein, es schnürte mir die Kehle zu. Kein Wort, um das Geschehene in Worte zu fassen.
Ich spürte und sah, dass J. all das, was er zu geben hatte, seinem Kind gab. Und das danach nichts mehr übrig blieb. Weder für sich noch für andere.
Es ist unglaublich traurig und unglaublich schade. Gestern meinten wir beide übereinstimmend, dass wir es unter anderen Voraussetzungen ganz bestimmt geschafft hätten. Aber so waren es zu viele Baustellen auf einmal.
Nun muss ich mir so aus dem Stehgreif und mit einem Butterbrot und einem Apfel in der Hand eine neue Existenz zaubern. Ach, wie blöd ist das denn…

Auf zum letztem Gefecht …
April 21, 2009Sagt man das so? Keine Ahnung… Gestern war die Beckenkammpunktion, heute ist noch ein MRT wegen der Thrombose angesetzt.
Dann heißt es warten und hoffen. J. fährt heute Nachmittag ins Krankenhaus.
Es läuft hier so la la. Ich bin so erschöpft, so überfordert, manchmal wird es mir zuviel. Auf Arbeit haben wir derzeit ziemlich viel Stress. Ein großes Projekt steht kurz vor dem Abschluss. Deshalb arbeite ich derzeit von 12 – 24 Uhr. Und da ich einen Fhartweg von einer Stunde habe, heißt das, dass ich gegen 1 Uhr zu Hause bin. Ist natürlich heftig, da der Tag für mich dennoch kurz nach 6 beginnt – immerhin warten hier noch zwei Kinder, die zur Schule gebracht werden müssen, Einkäufe müssen erledigt werden, Wäsche gewaschen und so weiter.
Ich fühle mich ein bisschen allein gelassen, emotional und auch bei der Bewältigung des Alltags. Gut, ich kann verstehen, dass J. nun aufdie Ergebnisse der Untersuchungen wartet und für andere Nichtigkeiten keinen Kopf hat.
Aber so gänzlich ignoriert zu werden, ist auch nicht so prickelnd. Wenn ich nur wüsste, wo das hin geht, hin führt. Führen uns unsere Wege zusammen ode trennen sie sich? Ich zermartere mir den Kopf, wie ich das VErhalten von J. bewerten soll. Ich weiß es einfach nicht. Ist es der Stress, die Ungewissheit? Er streitet es ab. Kann ich das glauben?
Oder ist es tatsächlich sein normales Verhalten? Es tut so entsetzlich weh, ignoriert zu werden. Es tut weh, nach Zuwendung betteln zu müssen. Und es tut weh, wenn man unter einigen Mühen es schafft früher nach Hause zu kommen (in der Hoffnung, den Partner noch wach zu erleben). und dann von einem lesenden Partner empfangen wird, der noch nicht einmal zur Begrüßung das Buch beiseite legt. Drei kurze Sätze, Austausch im Telegrammstil, Antworten wie hingeworfene Knochen: “Da hast Du”.
Verlange ich zuviel? Ich verstehe das nicht. Statt Wärme und zu Hause luftleerer Raum. Kälte. Nur eine Momentaufnahme?
Ich versuche, alles zugeben. Im Hinterkopf sitzt die Angst: Was, wenn J. das alles längst nicht mehr will? Sich schon innerlich verabschiedet hat? So empfinde ich sein Verhalten. Nachfragen hilft mir nicht weiter. Die Antworten sind kurz: Es ist doch alles in bester Ordnung. Er liebe mich. Ob er das jeden Tag wiederholen müsse?
Ich bekomme seine Aussagen und sein VErhalten einfach auf keinen gemeinsamen Nenner. Das VErhalten empfinde ich als ignorant, verletzend, lieblos. Das Gesagte entspricht nicht dem, was bei mir ankommt. Die Mimik und die Gestik erzählen eine andere Geschichte als der Mund.
SSpreche ich das an… heißt es: “Nein, das ist ein Irrtum.” Mein VErtrauen in meine Wahrnehmung wird so langsam untergraben. Ich komme mir vor, wie ein Seismograph, das ängstlich jede noch so geringe Erschütterung abtastet.
Ich komme nicht mehr zur Ruhe, ich fnde keinen Frieden und ich trage das nach Außen. Bin zunehmend gereizt, explodiere bei kleinen Anlässen. Möchte so gerne Ruhe, Frieden und finde ihn nicht.
Vor uns liegen noch lange sechs Wochen, in dieser Zeit ist Y. komplett im KH. In dieser Zeit läuft wieder die Asparaginase… Diese hatte beim letzten Mal die Thrombose verursacht. Jetzt, in diesem Moment, scheint mir der Zeitraum unüberschaubar.

Warten
März 22, 2009Warten. Solitaire spielen und dabei auf die Uhr schauen. Rechnen: Um 18.00 Uhr sind sie losgefahren. Eine Stunde bis zum Krankenhaus… SIe müssten da sein. Ich will wissen, was los ist? Eine SMS schreiben? Oder stört das? Aber ich möchte doch nur eine kleine Zwischenmeldung.
Anrufen? Fällt aus. Nein, nein. Da sitzen sie vielleicht gerade im Behandlungszimmer oder beziehen das Zimmer. Und überhaupt: Hat er dafür Zeit? Den Kopf frei? Um zu antworten?
Ich will die Zeit totschlagen. Irgendwie. Also Krankenhaustasche packen. Das geht schnell, alles steht griffbereit. Leben auf Abruf. Die Waschtasche wird nicht ausgepackt, eine Ersatzzahnbürste liegt immer bereit.
Die Zeit läuft nicht vorwärts. Sie läuft im Kreis. Immer wieder komme ich an ein und derselben Stelle an: Krankenhaustasche packen, verabschieden. Ich will das nicht mehr. Will einfach nur Normalität. Kontinuität. Berechenbarkeit des Alltags. Will zur Ruhe kommen – ohne dieses Kribbeln, dieses Ameisenlaufen.
Versuche, Halt zu geben und mekre, dass ich scheitere. Was will ich auch schon geben, wenn ich selbst nichts habe? Ein Bettler, der versucht, Hunderte zu speisen? Lächerlich.
Nichts da außer der pure, bloße nackte Will zu Überleben. Prinzip Hoffnung. Es muss doch ein Morgen geben und das Morgen kann doch keine Zwillingsschwester des Heute sein.
Die Angst, gar nicht mehr ohne diesen Hintergedanken: “Es geht ja doch immer alles schief.”, leben zu können. Selbstauferlegt: Nur nicht hoffen, nur nicht zu früh freuen. Und doch brauche ich Hoffnung, Ziele, Freude? Und lasse mich doch wieder darauf ein: Mich auf ein Essen mit Freunden zu freuen… Um am Vorabend zu erfahren: Vorhaben hängt in den Sternen, Fieber steigt.
Am allermeisten aber stört mich, dass ich so wenig zu geben habe. Dass da nichts ist, was ich zur Unterstützung geben kann. Dass ich mich selbst als Last empfinde und argwöhne, dass ich zur Last werde. Statt zu helfen, mich zurück zu nehmen: Szenen. Ich bin auch noch da! Denk doch auch an mich, an uns.
Immer dünner wird das Eis. Leise, vorsichtige Schritte, eine falsche Bewegung und wir brechen ein. Stillstand, stehen bleiben…
Stehen bleiben und etwas in sich fühlen, das nach Bewegung verlangt. Ein Vulkan widersprüchlichster Gefühle. Unsortiert, wild durcheinander, fordern sie gleichzeitig gehört zu werden. Wut und Trauer und Mitleid und Lebensgier. Ich will das nicht mehr fühlen, es ist zuviel. Will schlafen, tief und traumlos.

Er ist zu Hause
Januar 8, 2009Nach acht sehr langen Wochen ist Yannick nun endlich zu Hause und wir freuen uns alle. Zum Schluss wurde die Zeit im etwas lang. Alle anderen Kinder kamen und gingen und kamen wieder und gingen wieder – nur er durfte und durfte nicht nach Hause.
Und zum Schluss wurde ihm die Entlassung wie eine Mohrrübe vor die Nase gehängt: Bald darfst auch du nach Hause. Wenn das MRT in Ordnung ist. Es fand jedoch kein MRT statt. Man hatte immer noch Angst und schob diese Untersuchung von einem Tag auf den anderen. Nun ja, die Thrombose liegt noch nicht so lange zurück.
Doch gestern abend kam die erlösende Nachricht: Yannick darf nach Hause. J. lernte noch schnell, Heparin zu spritzen. Und heute Mittag ging es los. In der Apotheke wurde mein LG erst einmal ganz locker 500 Euro los – Medikamente für die nächsten Wochen.
Und wir? Wir müssen noch hier in der alten Wohnung ausharren. Erst Anfang Februar zeihen wir endgültig zusammen. Aber Morgen geht es wieder nach Klein U.. Ich freue mich schon so! Endlich wieder ein gemeinsames Wochenende.
Endlich wieder telefonieren, ohne das der eine klappernd in der Kälte steht oder in Gedanken die Kosten für die Handyrechnung überschlägt. Das war komisch, einfach J. s Nummer wählen zu können. Fast schon ungewohnt.
Zwar muss Y. an vier Tagen in der Woche ins KH, aber das ist in ORdnung. Am Sonntag hat er Geburtstag, da gibt es einen schicken Geburtstagstisch!

Ach doch – ein netter Tag
Januar 5, 2009Hilfe, so ein blog macht ja Arbeit.
Heute war mein erser Arbeitstag. Hatte mich gerade daran gewöhnt, Urlaub zu haben. Wie wie heißt es so nett: Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören. Meine Mutter hatte heute ihre erste Chemo, die sie super weg gesteckt hat.
Sie sprach von leichten Beinschmerzen, einem Muskelkater vergleichbar. Und da sie sich dachte: Wenn schon Muskelkater, dann richtig – machte sie einen endlos langen Spaziergang von 10 km und kam erschöpft, aber zufrieden, zu Hause an.
Gut gemacht, Mutti! Nebenher haben wir unsere Zwistigkeiten/ Differenzen/ Missverständnisse beilgen können. Das macht mich schon ziemlich glücklich. Hintergrund: Ich hatte ja durch meinen Urlaub endlich Zeit, mich um alle zu kümmern. Auch das tat gut – jemanden besuchen oder mit jemanden telefonieren, ohne auf die Uhr zu blicken.
Y. geht es gut. Wir hoffen ganz inständig, dass er diese Woche die Klinik endlich für ein paar Tage verlassen kann. immerhin lag er dort sieben Wochen am Stück und das ist für einen 6jährigen eine irre lange Zeit. Die Mutter hat sich kurz über Handy gemeldet und versprach Y. wohl einen Besuch, kam aber nicht.
Ich glaube, ich finde das mies. Nein, ich finde das mies. Sie lässt ihn da ganz schön hängen. Cool fand ich ja ihre Silvester-SMS. Schatzi einen Kuss und vielen Dank für das,was ihr für Schatzi tut. Und Tschüß. So stellt man sich Elternliebe und Elternfürsorge vor. Wir witzelten schon: Sie wird sich wieder melden, wenn die Krankheit besiegt und Y. psychisch stabil ist.
Letzten Freitag hatte ich noch super lieben Besuch aus Berlin. Birgit war da. Hach, war das schön – einfach mal wieder einen nachmittag plaudern. An dieser Stelle liebe Grüße an Birgit und alle Berliner Kugeln! Wir kommen bestimmt nach Berlin, versprochen!

2009
Januar 1, 2009Offiziell haben wir nun ein neues Jahr. Premiere für mich: Silvester im Krankenhaus. Wir haben gewartet, bis Y. einschlief, danach setzten wir uns in die Elternecke. Die Station war rappelvoll belegt, allerdings nicht mit den Kinder von der Onkologie. Die Nephrologie wird renoviert, in dieser Zeit sind diese Kinder auf der Onkologie.
Eine Nachtschwester, 9 Babies. In der Elternecke versuchten wir uns im schwarzen Humor: Ist doch eigentlich wie jedes jahr Silvester. Hintergrundbeschallung (dieses Jahr: unruhige Babies), Partybeleuchtung (Reste des Weihnachtsschmucks) und etwas zu trinken (Apfelschorle) und Smalltalk (wir diskutierten über Y.s Zukunft) .
Kurz vor Mitternacht kam der Freund der diensthabenden Schwester. Die Babies waren ruhig und wir stießen pünktlich um Mitternacht miteinander an.
In der Ferne hörtne wir schon die ersten Krankenwagensirenen. Schwester G. freute sich schon: Ach alkoholisierte Jugendliche finden mitunter den Weg auf diese Station.
Irgendwann gegen 1 Uhr verabschiedete ich mich. Silvester 2009.